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Spremberg. Energiewende, Wehrpflicht, Drogen sind die Themen – und die Kandidaten erzählen Privates. Von Annett Igel-Allzeit
Birgit Kaufhold (Die Linke) hat von ihrer Arbeitslosigkeit erzählt, Jörg Rakete (SPD) von seine Alkoholtherapie vor sieben Jahren. Michael Hanko betont, dass er seinen Kindern beigebracht habe, dass sie immer ihr Bett machen. Heide Schinowsky (Bündnis 90/Die Grünen) geht bei den Auswirkungen von Crystal Meth ins Detail. Und Raik Nowka (CDU) wünscht sich, dass die Menschlichkeit nach dem Wahlkampf nicht auf der Strecke bleibt. Wenn Sprembergs Jugendbeirat mit dem Verein Jugend und Soziales zum Wahlforum einlädt, fehlt es nie an Fragen – das war bereits vor der Kommunalwahl so. Und Tabuthemen gibt es auch nicht.

Mehr als 90 Besucher, vor allem Neunt- und Zehntklässler der BOS, sind ins Bergschlösschen gekommen und zögern nicht, Fragen auf die ausgeteilten Karten zu schreiben, während Moderator Benjamin Schorg und Hannah Schollmeier, Vorsitzende des Jugendbeirats, die fünf Landtagskandidaten zum Warmlaufen einladen.

Wie die Parteien die Energiewende umsetzen wollen, fragt ein Schüler. „Der Kohleausstieg bis 2038 wird schmerzhaft. Aber es ist ein Weg, der gegangen werden muss“, antwortet Raik Nowka und gesteht, „wir haben die Energiewende falsch angefangen.“ Erst als immer mehr regenerative Energien ins Netz eingespeist wurden, sei klar geworden, dass das Netz nicht passt, die Netzsteuerung nicht so funktioniert, die Speicher fehlen. Heide Schinowsky, erinnert daran, dass die Grünen die einsamen Ersten waren, die einen Masterplan für den Kohleausstieg forderten. Das habe sich geändert; bis auf die AfD zögen sämtliche Parteien mit. „Und es wurde bereits etwas geschafft in der Arbeitsplatzsicherung. Das Bahnwerk in Cottbus wird nicht geschlossen“, so Schinowsky. Rakete sieht das Ausstiegsdatum auch, macht sich aber Gedanken um die Versorgungssicherheit, um Strompreise und Arbeitsplätze. Birgit Kaufhold fordert, dass die Einbußen und höhere Kosten, die den Menschen mit der Energiewende drohen, sozial abgefedert werden. „Auch deshalb sollten die Reichen höher versteuert werden“, so Kaufhold. Hanko, der im Landtag „eine Stimme der Region“ sein will, findet: „Der Nachweis, dass es allein mit den regenerativen Energien funktioniert, ist noch nicht so richtig erbracht.“

Als die jungen Leute fragen, welchen Sinn eine Wehrpflicht hätte, sorgt Hanko für Kopfschütteln. „Zucht und Ordnung bringt das wieder“, erklärt er. Der Breitbandausbau interessiert die jungen Leute weniger als gedacht. Dafür aber die Drogenproblematik: Warum ist der Cannabis-Konsum noch nicht legalisiert, Alkohol aber zugänglich? Heide Schinowsky warnt vor Crystal Meth: „Wenn das werdende Mütter nehmen, habe diese Kinder nie eine Chance, ein normales Leben zu führen.“ Aber als Raik Nowka erzählt, dass man mit bis zu 15 Gramm Cannabis in der Tasche in Berlin straffrei bleiben kann, wird es laut. Schorg greift ein: „Ein Verfahren wird in jedem Fall eingeleitet. Wir wollen doch nicht, dass unsere jungen Leute demnächst mit Gras durch Berlin spazieren“, warnt der Moderator.

Die Bildung interessiert die Lehrer. Roland Wolter, der stellvertretende Schulleiter der BOS, will wissen, was die Parteien von der Wiedereinführung einer Schule halten, die von Klasse 1 bis 10 alle gemeinsam besuchen. Ihn ärgert, dass die Inklusion mit der Abschaffung der Förderschulen nicht Gymnasien, sondern nur Oberschulen trifft und an Grenzen treibt. Gymnasien abschaffen will keine Kandidat. Und Schulzentren, die entstehen, so Nowka, seien als Chance für den ländlichen Raum zu sehen.

Die schönste Frage an die Kandidaten ist: „Was schätzen Sie an einer anderen Partei?“ Es gibt daraufhin den netten Versuch Nowkas, die Linke fürs Linie-Halten zu loben, und ein Dankeschön von Heide Schinowsky an die CDU fürs Sich-Öffnen.

Ein klares Koalitions-Bekenntnis auf Landesebene aber kommt nur von Kaufhold: Rot-Rot-Grün.